Rückwärts gewünscht

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Vor ein paar Jahren machte ich mich im Bärbel-Mohr-Forum sehr unbeliebt. Bärbel Mohr war ja eine der großen Visualisiererinnen: Man wünsche sich etwas, glaube fest daran, habe keine Zweifel, vergesse den Wunsch und - dann tritt es ein. Bärbel Mohr schrieb einige Bücher dazu geschrieben (Bestellungen beim Universum, Reklamationen beim Universum, Zweisam statt einsam und einige mehr), Kurt Tepperwein und andere auch. Dass solche Bücher sehr gern gelesen werden, verstehe ich gut, denn wer würde nicht gern einfach nur professionell genug wünschen können und dann hat er es? Aber vielleicht geht das alles ganz anders?

 

Keine Ahnung, was der Anlass dazu war, vermutlich wieder einer dieser Zufälle. Jedenfalls dachte ich auf einmal, das mit dem Wünschen ginge umgekehrt. Nicht etwas geschieht, weil wir es uns wünschen, sondern wir wünschen uns etwas - und dann erfolgreich - weil es geschehen wird. Und mit genau dieser Aussage hatte ich mir in besagtem Forum einem Hagel an virtuellen überreifen Tomaten und faulen Eiern eingehandelt.

Der Haken, der mich dazu bewog, über Visualisierung genauer nachzudenken, war der Faktor ›Zweifel‹. Zwar wurde gesagt, zum erfolgreichen WÜnschen dürfe man nicht zweifeln, aber ich las oder hörte nie jemanden näher auf Zweifel eingehen. Und just der Zweifel ist nämlich der Knackpunkt. Du darfst nicht zweifeln, dann klappt es. Prima. Nur - wie zum Henker, stellt man Zweifel ab? Dazu habe ich nirgends ein Kapitel gefunden, nicht einmal einen Satz. Nicht zweifeln zu dürfen wird einfach unter den Teppich gekehrt. In meinen Augen verständlich, denn mit diesem K.-o.-Kriterium hat es sich schnell ausgewünscht.

Wie hängen aber Erfüllung und Wunsch dann zusammen?

Aufgrund unserer energetischen Beschaffenheit (siehe zum Beispiel Karma oder Ursache-Wirkung), diesem Konglomerat, das ich gerne mit diesen Beuteln mit Wattepads in hinmelblau, rosarot und weiß aus dem Drogeriemarkt vergleiche - Frauen verwenden sie auch zum Abschminken - und den energetischen universellen Gesetzen, ist unser Lebensweg recht genau vorgeschrieben, auch wenn wir selbst bei der Planung aktiv waren. Natürlich gibt es einen Spielraum für unseren Willen, aber der ist verhältnismäßig klein. Gerne vergleiche ich das Leben mit einem fröhlich dahinmeandernden Fluss, der erst nach einer Unzahl Bögen, Stromschnellen, Tiefen und Untiefen im Meer aufgeht. Wir haben uns für genau diesen aktuellen Fluss entschieden und nun sind wir ihn hinunter auf der Reise. Begegnen wird uns naturgemäß, was in ihm und an seinen Ufern auf uns wartet.

Nehmen wir nun einen konkreten Wunschfall an: ein Haus mit Pool. Der Wunsch war vermutlich nicht schon immer da, sondern tauchte eines Tages auf. Hier beginnt bereits der Nicht-Zufall. Auch dieses Auftauchen des Wunsches ist nicht ›einfach so‹ geschehen. Vielmehr hat ihn irgendetwas angestoßen. Natürlich findet man üblicherweise irgend etwas im Außen, vielleicht einen Besuch bei Freunden oder einen Urlaub an einem Pool. Aber auch vorher hatten wir von Pools gehört, welche gesehen, wahrscheinlich in manchen geplanscht. Aber kein Wunsch danach. Auf einmal aber war er da. Warum?

Energien sind keine Kügelchen, die man erst wahrnimmt, wenn man sie sieht oder riecht, sondern Energie wirkt unsichtbar auf uns ein. Wenn wir unseren Lebensfluss hinunterfahren und hinter irgendeiner Schlinge ein Haus mit Pool auf uns wartet, dann werden wir ihm irgendwann einmal so nahe sein, dass wir seine Energie werden wahrnehmen können. Dieses erste Mal ist der Zeitpunkt, zu dem uns die Idee kommt, also die Idee zum Haus mit Pool. Das Haus mit dem Schwimmbecken wirft aus der Zukunft seine Energie zu uns in die Gegenwart und löst damit den Wunsch aus. Mit weniger schönen Sachen sind es keine Wünsche, sondern Befürchtungen.

Wenn wir nun zufälligerweise gerade auf dem Visualisiere-dir-deine-Wünsche-Trip sind, dann werden wir nach einer Weile, wenn Haus mit Pool aufgetaucht sind, stolz sagen: »Na, wie hab ich das gemacht? Gewünscht und schon hat es geklappt!« Auffallend bei diesem Wunsch wäre übrigens gewesen, dass tatsächlich keine Zweifel aufgetaucht waren ...

In Wirklichkeit läuft es also mit dem WÜnschen genau umgekehrt: Etwas wirkt aus der Zukunft auf uns ein, lässt den Wunsch in uns erstehen und bewahrheitet sich. Wünschen wir etwas und haben Zweifel, ist das kein Zeichen für Unfähigkeit zu Wünschen, sondern dafür, dass die Erfüllung dieses Wunsches nicht auf unserem Weg liegt.

Und wie ist das jetzt bei den berühmten Parkplätzen? Dort funktioniert das doch tatsächlich meistens! Wie schon erwähnt, haben wir im Rahmen unseres Lebens einen gewissen Spielraum. Im Rahmen dieses Spielraumes sind wir tatsächlich in der Lage, schöpferisch einen Teil unserer Zukunft zu gestalten. Und in diese - recht harmlose - Zone gehören erfüllte Parkplätze. Nebenbei: so ganz immer funktioniert es auch nicht, jedenfalls nicht bei mir.

Kleiner ›Zufall‹ am Rande: Dieses Pool-Beispiel verwende ich seit vielleicht zehn Jahren. Seit drei Jahren hat mein Haus Pool ...

 

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